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Der Morierhof“ -
Auszug aus der Chronik

„Die Oase am Stadtrand Lübecks“.


 

 


 

Aus der CHRONIK des „Morierhofes“

 

 


Die Geschichte des Morierhofes und seiner Eigentümer
Letzte Überarbeitung 11/2000 von Torben Beuthien. Die Überarbeitung ist unvollendet. Stand: 13.11.11
Mori, war eine Dorfschaft in der Landgemeinde Stockelsdorf, 35 km von Eutin, 4 km von der Chaussee Lübeck-Segeberg gelegen.
Besitzer des Gutes Mori war im 12. Jahrhundert die Familie Vorrade. Obwohl schon in der Frühgeschichte besiedelt, wurde von einem Hof an dieser Stelle erstmals 1333 urkundlich berichtet. Es war ein kleiner Hof des nördlich von Stockelsdorf gelegenen Hauptgutes „Berge“. Zunächst einfach „Nige Hof“ genannt, taucht die Bezeichnung „to de Murryen“ erstmals 1410/1411 in einer Urkunde auf. Der Begriff soll wahrscheinlich auf die moorige Beschaffenheit des Bodens hinweisen. Wechselhaft war die Geschichte, die den Morierhof fortan begleitete. Von seiner ersten Erwähnung bis 1528 war er in dem Besitz der Lübecker Bürger, bis er dann schließlich in den Besitz der Familie Calven kam. Vor 1528 war Tiedemann Vorrad Besitzer der Lübecker Güter Stockelsdorf und Mori. Die Familie Vorrad gehörte im späten Mittelalter zu den führenden Geschlechtern im Lübecker Rat. Zugleich zählte sie zu den alten Rittergeschlechtern des angrenzenden Raumes der Hansestadt. Tiedemann Vorrad war mit einer Tochter des Johann Pleskow verheiratet. Nach seinem Tode, im Jahre 1385, ließ seine Witwe die beiden Söhne gut erziehen und weite Reisen machen. Doch diese beiden hoffnungsfreudigen Sprosse, die letzten des Geschlechts, ereilte ein grausiges Schicksal. Bei der Hochzeit des einen Bruders in Lübeck fiel der andere bei einem Gang über den Hof in der Nähe der Aegidienkirche in eine offene Klärgrube und erstickte. Seinem soeben vermählten Bruder, der ihn suchte, geschah das Gleiche - 
Die Geschichte von Mori ist einst eng mit der Familie Vorrad verbunden gewesen. Auch war das Schicksal von Mori Jahrhunderte mit dem Gut Stockelsdorf verquickt. Mori, in den Anfängen “Neuhuf, der „Nige Hof“, geheißen, war seit 1528 ein Meierhof des Gutes Stockelsdorf. Erst im 16 Jahrhundert nahm Mori eine selbständige Entwicklung. Doch bereits 1410 tauchte der Name „Murryen“ (Morrien) auf. Dieser könnte auch von einer alten Adelsfamilie aus Pommern stammen, die im 17. Jahrhundert ausstarb und die ihren Ursprung in Lübeck hatte. Nachdem die Witwe des Tiedemann Vorrad Stockelsdorf mit Mori verkauft hatte und endlose Erbansprüche von zahlreichen Verwandten erklärt waren, gelangte Wilhelm von Calven im Jahre 1410 in den Besitz von Stockelsdorf und Mori. Dies Beurkundetet der Bischof von Lübeck 1441.

1528 teilten die Enkel des Wilhelm von Calven die Güter Stockelsdorf und Mori. Seit dieser Zeit trennt sich die Geschichte der beiden Güter. Andreas erhielt Stockelsdorf und Heinrich Mori. Außerdem bekam Heinrich das Gut Groß Schenkenberg, in Lauenburg liegend. Die von Calven auf Mori versuchten weitere Besitztümer zu erwerben. Dies geschah unter anderem durch Heiratspolitik. Heinrich hatte durch seine Ehe mit Meta von Wickede, Tochter des Hermann von Wickede, ebenfalls die Hälfte des Gutes Groß Steinrade erhalten. Doch im Jahre 1553 wurde der Besitz unter der nächsten Generation wieder aufgeteilt. Der älteste Sohn, Thomas von Calven erhielt so Mori. Da die beiden andere Brüder nach kurzer Zeit starben, bekam der 1559 deren geerbte Besitze (Groß Schenkenberg und Groß Steinrade) dazu. Doch Thomas von Calven war ein schlechter Hausverwalter. Wegen des Gutes Groß Schenkenberg geriet er in einen heftigen Streit mit dem Rat der Hansestadt Lübeck und Groß Steinrade mußte er anteilsmäßig an seinen Schwager Andreas Lunte verkaufen. Schließlich verpfändete er den weiteren Besitz an Mitglieder der Ratsfamilie von Lüneburg. 1550 löste sich von Calven mit seinen Gütern von Lübeck und stellte sie unter den Schutz des Herzogtum Lauenburgs. Dieser allerdings taugte nicht viel. Thomas von Calven wurde 1570 in Mölln verhaftet, kam dann für kurze Zeit frei und wurde dann wieder für 2 Jahre eingekerkert. Sein Begräbnis im Jahre 1578 auf Mori deutete den Niedergang der Familie an, denn nur ein Ratsmitglied stand an seinem Grabe. Auch sonst fand die Beisetzung im kleinen Kreise statt, was für die damalige Zeit bei der Beerdigung eines namhaften Patriziers eine Seltenheit war. Geistliche Würdenträger erschienen gar nicht. Dies sprach nicht für seinen Ruf. Seine Söhne Lorenz und Christoph teilten nun wiederum den ererbten Besitz. Lorenz erhielt Mori. In der Endphase vermochten Lorenz Söhne (Christoph und Thomas) den Besitz nicht mehr zu halten. Mori wurde im Jahre 1636 veräußert.

In der Endzeit der Familie von Calven spielte sich ein Drama ab, das an mittelalterliche Gepflogenheiten erinnert. Eine Tochter des Lorenz von Calven, Emerentia, hatte Kuno von Hoffmann, der aus Österreich stammte, geehelicht. Kuno von Hoffmann lebte bei seinem Schwager auf Mori und betrieb von dort auf der Hamburger Landstraße Straßenräuberei. Das von Mori aus die schon viel zitierten Gewalttaten des Raubritters ausgingen, und das von einem Hof der einem Mitglied der Lübecker Ratsfamilie von Calven angehörte, - war schon ungeheuerlich und für Kuno von Hoffmann eine ungeheures Abenteuer. Schließlich wurde er bei einem solchen Überfall ertappt. Lübecker Söldner nahmen ihn fest und er wurde, vom Stadtgericht verurteilt, dem Tode preisgegeben. Die Familie erließ ein Bittschreiben an den Rat: Kuno von Hoffmann sei ein junger, jedoch in Kriegsangelegenheiten erfahrener Mann, seine zahlreichen Wunden bewiesen es, und „er wird sich mit ritterlicher Tugend bei der Christenheit wider den Feinden des göttlichen Wortes also verdient machen, daß die jetzt tragende Macul damit könne abgewaschen werden.“ Doch das Bittgesuch der Familie von Calven erbarmte den Rat der Stadt nicht, und sie konnte sich nicht entschließen, Kuno von Hoffmann zu begnadigen. Immerhin wurde eine Konzession der Familie gegenüber gemacht, die ja im Rat vertreten war: Die Hinrichtung wurde nicht öffentlich, sondern innerhalb des Marstall-Gefängnisses vollzogen. Herbei wurde auch das Schwert und nicht der Strang benutzt. Da die Ehefrau von Kuno von Hoffmann diesen so sehr liebte, munkelte man, der Leichnam sei am Abend nach seinem Tode von ihr gestohlen worden und auf Mori begraben. Und tatsächlich wurde bei Bauarbeiten im Jahre 1965 von einer späteren Eigentümerin Moris ein Schädel gefunden, den sie für den des Kuno von Hoffmann hielt.
In jenen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges spielte sich noch eine Tragödie m Herrenhaus von Mori ab. Der Obrist Carpezan der Mansfeldschen Truppe, der in Mori Quartier bezog, erschlug in einem Anfall von Zorn und Eifersucht seine Geliebte. Dies soll im Herrenhaus passiert sein. Auf dem Dachboden des Herrenhauses befand sich eine GRUFT (17 Zentimeter und 1,41 Meter tief). Die Wände waren mit Brettern eingefaßt und tragen eine lateinische, zum größten Teil verwischte Inschrift. Lesbar war nur die eine Seite: „cum rosa bis sponsa pactos rupiss[et] die[vi]na baec rumpentis poena...“ auf der gegenüberstehenden: „...de crimine.....“.   Die alte Inschrift auf dem Deckel der Gruft verweist auf diese Sage (Bild). Der Text auf dieser Tafel lautet: „Sein unschuldig Weib mordete an dieser Stätte Palmarum Anno Domini 1631 in Eifersucht von Sinnen der Feldhauptmann bei den Mansfeldern Obrist von Carpezan.“
Käufer von Mori im Jahre 1636 war ein Mann, der aus Aschersleben stammte und in Lübeck Fuß gefaßt hatte. Es war, der schon zum Ratsherren ernannte, Adrian Müller, der 1644 starb. Er war in zweiter Ehe mit der Tochter des Bürgermeisters Heinrich Köhler verheiratet. Im Übrigen hatte er bereits familiäre Kontakte zu den Calven, denn seine erste Frau war die Tochter des Andreas Lunte, einem Vetter der von Calven. Müller hatte den von Calven mehrfach Geld vorgeschossen und des war eine Folge solcher Verhältnisse, das er schließlich das Gut Mori übernahm. Da Mori lange vernachlässigt wurde und sich in schlechtem Zustand befand, betrug der Kaufpreis nur 36000 Taler. Diese Summe mußte zunächst für die Befriedigung verschiedener Kreditoren verwendet werden. Der Käufer versprach, das übrige Geld der Witwe bar auszuzahlen, überließ ihr auch sein Haus in Steinrade unentgeltlich auf Lebenszeit zur Wohnung. Adrian Müller ließ sogleich zahlreiche Neuerungen vornehmen. 1639 veranlaßte Adrian Müller den Bau eines neuen Herrenhauses auf Mori. Es war eines, wie es den Zeiten entsprach, durchaus noch wehrhaftes Gebäude. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Herrenhaus auf Mori, das von Adrian Müller erbaut worden ist und mehrere Umbauten erführ, lag nach altem, grundherrschaftlichem Muster, inmitten des Dorfes. Es hatte einen Dachreiter, wie es in der Renaissance üblich war. Das Herrenhaus wurde auf einem Granitfundament aufgebaut.
1640 wurde sogar noch ein neuer Bergfried errichtet, ein viereckiger Turm zum Schutze der Einwohner des Gutes. Weitere Bemühungen, die Verhältnisse zu verbessern erlebte er selbst nicht, denn er starb 1644 vor dem Krieg. Wie auch auf anderen Gütern, hat der 30jährige Krieg einen Rückschritt, zumindest eine bauliche Stagnation, auf Mori gebracht. Der Sohn von Adrian Müller, Heinrich Adrian Müller (geb. 1637) wurde gut erzogen. Seine Mutter, Elisabeth, Tochter des Bürgermeisters Heinrich Köhler, sorgte zunächst für eine gute Erziehung ihres Ältesten. 1656 sandte sie ihn auf die Universität Helmstedt. Nach einer anschließend ausführlichen Kavaliersreise, eine jahrelang dauernde Bildungsreise durch Deutschland, Frankreich, Italien, England, kehrte er nach längeren Aufenthalten in Wien und Paris, in die Heimat zurück. Da gleich darauf die Mutter starb, übernahm er nun selbst die Verwaltung des Gutes und verheiratete sich 1663 mit Magdalena Dorothea von Wickede. Obgleich er auf der Reise (vermutlich in Wien) zu großem Verdruss seiner Familie zur katholischen Kirche übergetreten war, wurde die Trauung doch von dem Pfarrer von Rensefeld durchgeführt. Mori war zu Rensefeld eingepfarrt. Auch die ältesten Kinder wurden protestantisch getauft. Schließlich wurde er Rat des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er lebte seit 1673 als kaiserlicher Resident in Lübeck, sympathisierte mit der katholischen Kirche und wurde auch Domherr in Lübeck. Übrigens war er, wahrscheinlich weniger aus Eifer für die Kirche, als aus Lust am Widerspruch, ein eifriger Beschützer der wenigen hiesigen Katholiken. Diesen war damals nicht nur ein öffentlicher Gottesdienst untersagt, sondern auch die Teilnahme an dem von den katholischen Domherren in ihren Häusern gehaltenen Privatgottesdiensten. Andererseits trat Müller für die protestantische Kirche ein und entsprechend für die von dieser geförderten Schulen. Wegen der großen Entfernung zum Pfarrdorf Rensefeld errichtete er Ostern 1663 eine Schule und erbaute auch eine protestantische Kapelle. In dieser sollte der Lehrer an Sonn- und Festtagen Predigten halten. Diese Einrichtungen wurden von Christian V. in seiner Eigenschaft als oberster Bischof 1673 bestätigt. Die Kapelle bestand 1821 noch. Im Jahre 1661 wurde Müller unter der Namenserweiterung „Müller von Morien“ (alter Name des Gutes Mori) vom deutschen Kaiser in Wien geadelt. Im Amt Stavenhagen (Mecklenburg) hat jenes alte Geschlecht „von Morien“ noch gelebt, das aber im 17. Jahrhundert ausstarb. Diese Familie, die einen doppelten auswärtig gekehrten Angelhaken im Wappen führte, stammte aus der Gegend von Lübeck. Müller trat hier bewußt die Nachfolge an. Mit der Annahme dieses Namens dokumentierte er deutlich die Bindung seiner Familie an den Besitz Mori, die andauern sollte. Müller starb 1706 und wurde in der Aegidienkirche begraben. Mori vererbte er nicht an seine Brüder, sondern an die Tochter eines Bruders seines Großvaters, Heinrich Köhler, Anna Catharina. Sie war Tochter des Bürgermeister Anton Köhler. Durch sie gelangte Mori an ihren Ehemann Alexander Lüneburg, der 1715 starb. Nach ihm bekam es der Sohn Anton Lüneburg, der einzige seines Geschlechtes war. Er wiederum war mit Christine Amalie, Tochter des dänischen Oberstleutnants Anton Siegfried von Plessen, verheiratet. Auch auf dem benachbarten lübschen Gut Groß Steinrade entstand 1732 ein Fideikommiß (unveränderliches und unteilbares Erbgut) zur gesetzlich verankerten Aufrechterhaltung des Gesamtbesitzes der Familie. Der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp war im Jahre 1743 russischer Großfürst geworden. Als Anton Siegfried von Plessen im Mai 1744 starb, wurde das Gut zugleich mit Eckhorst am 12. Oktober von den Erben öffentlich verkauft. Mori bestand damals aus 10 Koppeln, 16 Eingesessenen, die in herrschaftlichen Häusern wohnen, und 9, die in eigenen Katen wohnten. Der Jahresertrag wurde auf 1285 Taler berechnet. Der hinter dem Wohnhause gelegene, mit einem Bogengang versehene Lustgarten enthielt zugleich Felder mit Küchengewächsen und Fruchtbäume; zudem war ein Küchengarten und 2 wohl besetze Baumgärten vorhanden. – Bei dem Verkauf erstand die Witwe Lüneburg beide Güter wieder und ging dann schon gegen Endes desselben Jahres eine zweite Ehe mit dem Kammerherrn Heinrich Otto von Albedyll ein. Dadurch kam wiederum dieser in den Besitz von Mori und Eckhorst. 1762 kam Zar Peter der III auf den russischen Thron. Sogleich griff dieser Enkel Peters des Großen die Pläne seines Vaters, Karl Friedrich von Holstein Gottorp, wieder auf. Er wollte von den Dänen, die dem herzoglichen Haus bereits im Jahre 1713 die Anteile von Schleswig mit der Residenz Schloß Gottorf genommen hatten, nun mit seiner russischen Macht zurückerobern. Ein nordeuropäischer Krieg schien im Jahre 1762 im Kommen zu sein. Dänemark und Rußland schickten Truppen in Richtung Mecklenburg, wo sie aufeinander zu stoßen gedachten. Derweil verhandelte der russische Gesandte, der Holsteiner Caspar von Saldern, mit dem dänischen Außenminister Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff, unter Vermittlung Friedrich des Großen, in Berlin. Es sah für einen Frieden ziemlich trostlos aus. Im Frühling 1762 nahm eine dänische Armee, die der König aussandte, um einen ihm bevorstehenden Angriff des russischen Kaisers Peter III zu begegnen, den Weg durch das Lübecksche Gebiet. Der Oberbefehlshaber, Graf von St. Germain, hatte sein Hauptquartier eine Zeit lang auf Mori eingenommen, wo der Senat ihn willkommen hieß. Eine geraume Zeit blieb er dort mit seiner Truppe. Nun, der Spuk löste sich wieder auf, der Krieg wurde verhindert - durch einen Mord. Peter der III. mußte in Rußland abdanken und wurde noch Mitte des Jahres 1762 auf dem Sommerschloß „Ropscha“ bei Petersburg umgebracht. Seine Frau, Katharina die II. aus dem Hause Anhalt-Zerbst, trat die Nachfolge an. Die Dänen rückten ab. Wiederum verweilte der Graf von St. Germain mit seiner Truppe für einige Zeit auf dem Gute Mori und ließ sich von dem Gutsherrn und dem Rat der Stadt verwöhnen – ob dies zur Freude der Gastgeber geschah, bleibt zu bezweifeln...
Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatte der Verwalter von Mori, Philibert Fack, ein Stück Land vom Gutsherrn auf Mori erhalten, um sich dort anzusiedeln. Es war der Beginn des späteren Dorfes „Fackenburg“, welches schließlich zum gleichnamigen Stadtteil der Hansestadt Lübeck wurde und heute noch ist. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in Fackenburg besonders schnell und führte zu einer großen Erweiterung der Siedlung, da sich, ähnlich wie auf dem Gut Moisling, auch Juden dort ansiedeln durften. Im Jahre 1799 wurde ihnen ein eigener Friedhof angewiesen. Bereits 1798 hatte Fackenburg schon zwei Jahrmärkte, zu Fastnacht und zu Jacobi (25 Juli). Nach dem Tod von Otto von Albedyll besaßen zunächst die beiden Söhne das Gut gemeinschaftlich. Seit 1778 zahlte Ludwig seinen Bruder Christian Heinrich aus. So gehörte Mori ihm allein. Er erreichte ein hohes Alter. Nach dem Tode von Christian Heinrich Ludwig Freiherr von Albedyll brach im Jahre 1817 der Konkurs über die Güter ein. Da sie unter der Oberherrschaft der Dänen standen, wurden sie von einer Kommission des königlichen Obergerichts in Kiel öffentlich aufgeboten.
Conrad Platzmann, Besitzer des "Adligen Gutes" Rosenhof bei Oldenburg in Holstein, ersteigerte Mori. Platzmann war Lübecker und hatte das Gut Rosenhof bereits im Jahre 1815, ebenfalls aus einer Konkursmasse, für 63.000 Taler erworben. Ein Jahrzehnt später verkaufte er dasselbe mit großem Gewinn. Mori und Eckhorst bekam er 1817 für den Spottpreis von 77.000 Talern. Mori selbst veräußerte er 1821 an seinen Schwager Jaque Guillaume Baudouin, der sich bald darauf „Jacob Wilhelm“ nannte und seine französische Herkunft damit ablegte. So einfach war das damals.
Mori war damals bereits parzelliert und durch einen sogenannten Pachtkanon, eine Summe, die jährlich von den zum Gute gehörigen Bauern bezahlt werden mußte, durchaus berechenbar, taxierbar, so daß mit dem Besitz auch spekuliert werden konnte. Dieser Pachtkanon ist zum Teil noch heute in den Grundbüchern mancher Häuser zu finden, die um Mori herum stehen. Doch Mori blieb in der Hand der Familie. Die Familie Baudouin hat lange Zeit auf Mori gelebt und gewirtschaftet. Von den Baudouin erbten es 1850 die Plessing, die auch das Gut Eckhorst in einer Hand behielten. Der Besitzer Plessing betrieb im Jahre 1900 eine Pferde- und Hundezucht. Eine Glocke, die der Baron von Albedyll hat gießen lassen, hing um 1900 in der Kapelle von Fackenburg. Die Plessing spielten in Lübeck bereits seit dem 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle als Wein- und Holzkaufleute. Heinrich Alphons Plessing und sein Bruder Philip Wilhelm Plessing waren im 19. Jahrhundert als Juristen und Verwaltungsfachleute der Hansestadt Lübeck und im Rat einflußreiche Persönlichkeiten. Moris Herrenhaus verfiel weitgehend um 1900, da es für längere Zeit (seit 1853) von der Familie der Besitzer verwohnt war. Nur ein Teil des Hauses war hiervon ausgenommen. Es war der Teil, in dem der Verwalter wohnte. Im Jahre 1900 hat der Besitzer Plessing das Herrenhaus umbauen und renovieren lassen. An der Fassade prangt aber weiterhin das Baudouinsche Familienwappen. Der Turm und der Dachreiter wurden beseitigt. Im Eßsaal des Hauses (heutiger Rittersaal) befinden sich acht Gemälde, die an der Decke abgebracht sind. Sie stellen Ansichten aus der Geschichte des Gutes Mori dar. Eine Abbildung zeigte das alte Herrenhaus, dann ein Torhaus, sowie schließlich den Park mit einem kleinen See und einer Insel. Weiterhin waren Personen abgebildet, die zur Familie von Calven gehörten. Auch der "Raubritter" (der Schwager der Calven, Kuno von Hoffmann) der in Lübeck im Jahre 1631 als Raubritter von Mori mit dem Schwert hingerichtet worden war, war auf einem der Bilder zu sehen. Alphonsine Baudouin heiratete Dr. Johann Philipp Plessing. Friedrich Wilhelm Plessing hat als letzter (von 1919 bis 1934) das Gut bewirtschaftet, dann wurde der Hof besiedelt. Das war das Ende der Gutszeit von Mori.
Das Herrenhaus wurde 1934 von Provinz Schleswig-Holstein übernommen, um ein sogenanntes Landjahresheim für Mädchen dort einzurichten. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist im Herrenhaus ein Altersheim untergebracht, das Nina Monßen 1965 von der Familie Hitzigrath gepachtet und 1979 gekauft hatte. So gelangte der Morierhof wieder in neue Hände. Das Senioren- und Pflegeheim "Morierhof" im Herrenhaus hat zwei moderne Seitenflügel bekommen, doch der Mittelbau, auf den durch das alte Torhaus, eingerahmt von den Linden, der erste Blick fällt, strahlt in alter Pracht. 1999 übergab Frau Monßen den Betrieb es Seniorenheimes vollständig an ihre Tochter, Frau Lehmann. Diese leitete mit Ihrem Mann bis Anfang 2007 das Heim. Am 02.02.2007 übernahm der Enkel von Frau Monßen, Torben Beuthien, die Leitung des Morierhofes, der dann als Familienbetrieb in dritter Generation geführt wurde.
Bereits im Jahr 2006, als die ersten MDK-Prüfungen begannen erhielt die Morierhof GmbH eine Kündigung, die bis 2009 nicht vollzogen wurde, da offensichtlich enorme Verbesserungen stattgefunden hatten. Der Konkurenzdruck auf dem Pflegemarkt wuchs immer stärker und man munkelt, daß andere Interessen dazu geführt haben, daß die Kündigung im Jahre 2009 dann doch vollzogen wurde, gegen die es durch Versäumnis keine Rechtsmittel mehr gab. Um den Betrieb des Senioren- und Pflegeheims nicht einstellen zu müssen, wurde die Steinrade GmbH ins Leben gerufen, die nun wieder alle fairen Chancen besitzt. Sie übernahm die Pflege am 01.09.2009. Die Pflege war, trotz der Behauptungen des MDK schon immer gut, nur wurde dies lange Zeit nicht ausreichend dokumentiert, stellte auch derr Heimleiter, Herr Sturm in einen Presseartikel auf www.onlinepresse.info am 27.04.10 fest. Er schrieb zudem, daß die "bösen Geister" durch ein Maifeuer nun endgültig in die Schranken gewiesen werden sollten. Bauliche Mängel lagen übrigens auch nicht vor, wie die Behörden behaupteten. Bewohner waren zudem nie beeinträchtigt. Noch zu Zeiten der Morierhof GmbH wurden umfangreiche Verbesserungen im Brandschutz durchgeführt.
Die Steinrade GmbH übernahm den Betrieb mit knapp 70 übriggebliebenen Heimbewohnern. Aufgrund falsch plazierter Werbung (in Berlin und Hamburg, statt in Lübeck und Umgebung) und letztlich der persönlichen Erscheinung und des Verhaltens des Geschäftsführers vor Ort, wurden kaum noch neue Bewohner aufgenommen, so daß die Bewohnerzahl weiter sank, statt zu steigen. Der Ruf verschlechterte sich statt sich mit den Aufschwung durch den gelungenen Weiterbetrieb zu verbessern. Zudem wurden Ausgaben verursacht, die man bei einer sparsamen Geschäftsführung aufgrund der noch viel zu geringen Pflegesätze nicht hätte vornehmen dürfen. Auch wurden die Pflegesätze nicht sofort und soweit erhöht, wie es Heinz Drenkberg (Gründer der Steinrade GmbH) vorgsehen hatte, sondern viel zu spät (zum 01.06.2010). Trotz einer Finanzhilfe von ca. 240.000 € von der Eingentümerin/Verpächterin mußte die Steinrade GmbH am 02.06.10 Insolvenz anmelden. Sie kündigte die Bewohner zum 27.07.2010. Die letzten Bewohner zogen am 27.07.2010 aus. Die Mitarbeiter nahmen in einem Beisammensein Abschied vom Morierhof.
Aufgrund fehlender Pachteinnahmen von beiden insolventen Betriebsgesellschaften mußte die Grundstücksverwaltungsgesellschaft (Eigentümerin des Objektes) schließlich auch Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter versucht einen Verkauf. Der Verkauf ist nicht gelungen, so daß die Sparkasse als Gläubigerin die Zwangsverwaltung beantragt. Der Zwangsverwaltungstermin wird auf den 01.02.2012 um 9 Uhr im Amtsgericht Lübeck festgelegt.
Zwischenzeitlich signalisiert die Hansestadt Lübeck potentiellen Kaufinteressenten, daß der Betrieb eines Heimes hier nie mehr stattfinden soll. Weiter werden Interessenten, die hier z.B. Hotellerie betreiben wollen, damit abgeschreckt, daß es hierfür keine Zulassung geben würde, da es sich um einen Außenbereich handle. Für Veränderungen müsse der Investor selbst einen Bebauungsplan zahlen, was diese zurückschreckt. Die Signale sagen also, daß man den Morierhof gar nicht mehr nutzen könne, außer als privates Anwesen.
Im November 2011 stellt sich heraus, daß wohl ein Alten- und Pflegeheimbetrieb hier wieder möglich wäre, da es eine Erhaltungssatzung gibt, die die Nutzung schützt. Nur die Gebäudehüllen dürfen nicht verändert (erweitert) werden. Innerhalb der Mauern ist jedoch alles denkbar.
 
Nun bleibt es spannend, wer das Anwesen ersteigert und was er daraus macht.

Im Mai 2012 wwurde der Morierhof dann endlich "erlöst". Er wurde von einer Eigentümergesellschaft mit 7 Mitgliedern ersteigert. Für 980.000 € ging das Eigentum über. -Am 18.05. fand das erste Treffen der neuen Eigentümer auf dem Morierhof statt. Der Moriehof wird zum Wohn- und Arbeitsprojekt. In knapp 2 Jahrend sol man dort zur Miete oder auch als Eigentümer wohnen können,.

Hinweis: Insbesondere der letzte Teil dieser Geschichte stellt die persönliche Meinung des Wiedergebenden dar.
Torben Beuthien

 

 
Aus Sagen und Erzählungen:
Unter der Silberpappel auf der Kuhweide soll ein Schatz liegen. Schon mehrfach sollen Leute versucht haben, diesen zu bergen, doch alle die es versuchten wurden mit dem Tode bestraft, da dieser Schatz verflucht sein soll.
Diese Silberpappel soll die 3 Teile vom alten Mori darstellen. Sie hatte zwei kleinere Außenäste und einen Mittelstamm. Als einer der Hausanbauten abgerissen wurde, zog am Abend ein Gewitter auf schlug in einen dieser Äste ein. „Fällt ein Teil vom Morierhof, fällt auch ein Teil diese Baumes“ soll es aus der Überlieferung heißen.
Im Jahre 2002 tobte ein Sturm über den Morierhof hinweg und der Baum fiel. Ob der Spruch sich nun nur auf Gebäudeteile, oder wie in der Vergangenheit auch an Familiengeschichten bezieht, ist nicht bekannt.
 
Die Turmuhr: Ab 04.02.2002 schlug die Turmuhr des Morierhofes nicht mehr. Das Uhrwerk hörte einfach, ohne ersichtlichen Grund, auf zu laufen. Der Hausmeister berichtete, daß dies der Todestag der Vorbesitzerin, Frau Hitzigrath, gewesen sei. Ein ¾ Jahr soll es gedauert haben, bis die Uhr endlich wieder lief. Der technische Grund, zumindest in Bezug auf die Glocke war ein durchgerosteter Draht. Warum das Uhrwerk jedoch stehen blieb, bleibt offen.
 
 
Liebe Leser! Da die Ausarbeitung noch nicht abgeschlossen ist, hört die Geschichte hier vorerst auf. Übrigens: Die echte Chronik des Morierhofes wurde zu Zeiten Frau Hitzigraths an einen Studenten verliehen, der diese leider bis heute nicht wieder brachte... Schade!
 
 
Ihr Torben Beuthien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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